Der Marshmallow Test

Der Marshmallow Test

Wer isst nicht gerne Süßigkeiten?
Kinder auf jeden Fall und genau deswegen wurde die Ausbildung von „Selbstregulation“, also die Entwicklung von Frustrationstoleranz mit Süßigkeiten erforscht.
Dabei hat man wichtige Informationen wissenschaftlich belegen können und erkannt, in welchen Phasen das Erlernen von Selbstregulation verläuft.
Beim sogenannten Marshmallow-Test ging es um Belohnungsaufschub, also um Geduld.
Geduld ist eine Fähigkeit, die sich erst mit der Zeit entwickelt und gefördert werden kann.
Ganz kleine Kinder haben diese Fähigkeit nicht.
Ein Säugling kann nicht geduldig sein. Egal wie oft man mit ihm übt, er braucht sofortige Bedürfnisbefriedigung. Geduld kann er erst erlernen, wenn er etwas älter ist.
Mit etwa 4 Jahren  ist es einem Kind möglich so viel geübt zu haben, dass es auch mal auf etwas warten kann, ohne zu leiden.

Beim Marshmallow Test wurden kleine Kinder zwischen 3-5 Jahren in einem Versuchsraum vor einen Tisch gesetzt. Ansonsten gab es in dem Raum nichts, nur den Stuhl, auf dem das Kind saß und den Tisch.
Dann wurde dem Kind ein Teller mit einem Marshmallow auf den Tisch gestellt, mit der Ansage, dass es einen zweiten Marshmallow bekommen wird, wenn es diesen hier eine Zeit lang stehen lässt und nicht isst.
Danach verließ der Versuchsleiter den Raum und das Kind fühlte sich unbeobachtet, wurde aber natürlich gefilmt.
Dabei zeigte sich ein spannendes Muster. Erstens wurde klar, dass Kinder erst ab einem bestimmten Alter anfangen können Geduld zu erlernen und anzuwenden.
Zweitens, dass es individuelle Unterschiede gibt, wie gut ein Kind ausgestattet ist mit dieser Fähigkeit und drittens, dass die Entwicklung von Ungeduld zu Geduld in immer gleichen Phasen verläuft.
Diese Phasen gelten also auch für Dein Lernen besserer Geduld.
Es wurde natürlich noch einiges mehr über diesen Test herausgefunden. Wie sich Selbstregulation auf Zufriedenheit im Leben auswirkt zum Beispiel, aber das sei hier nur am Rande erwähnt.

Wir kümmern uns um die Lernphase von Ungeduld zu Geduld, damit Du Dich selbst durchschauen kannst, wenn Du übst.

Die erste Phase ist schlichtweg das Nichtkönnen.
Kein Zögern, keine Hemmung, keine Geduld. Der Marshmallow wird in den Mund gestopft, noch bevor der Versuchsleiter die Tür hinter sich zugezogen hat.

Die Zweite Phase ist das Wollen, aber nicht Können.
Die Kinder mampften den Marshmallow heulend und schluchzend, in dem Wissen, sich selbst grade die Chance auf eine zweite Süßigkeit zunichte zu machen. Die Erkenntnis ist da und tatsächlich ist in diesem Fall Einsicht der erste Schritt zur Besserung.

Die dritte Phase ist besonders fies. Denn anstatt etwas zu ändern möchte unser Gehirn lieber alles so lassen wie gehabt und versucht zu tricksen. Es sucht also lieber nach Lösungen um sich nicht mit Geduld beschäftigen zu müssen und trotzdem keine schlechte Stimmung aufkommen zu lassen. In dieser Phase bleiben wir alle übrigens auch gerne stecken. Während wir Erwachsenen tricksen, indem wir Erklärungen suchen, warum wir das ja gar nicht brauchen, oder Strategien entwickeln dem Frust davon zu laufen und Anderen die Schuld zuschieben, haben die Kindern einfach den Deckel vom Schokokuss abgedreht und mit dem Finger den Inhalt raus geschabt, ein Loch in die Schokolade gebohrt und den Inhalt raus gelutscht, oder sich eine Ausrede einfallen lassen, wie der Marshmallow abhanden gekommen ist, wenn der Versuchsleiter nach der verschwundenen Süßigkeit fragte.

In der vierten Phase sieht man dann wie Ablenkung in den Vordergrund rückt. Sich selbst mit irgendetwas anderem zu beschäftigen, um nicht mit dem Frust direkt konfrontiert zu sein. Wenn Du das also schaffst, bist Du schon in der vierten Phase des Lernens! Die Kinder schauten zum Beispiel intensiv auf ihre Schuhe, untersuchten den Versuchsraum, oder starrten an die Decke. Es ist also der gezielte Versuch sich nicht runterziehen zu lassen und konsequent gegen frustrierende Gedankenspiralen vorzugehen.

Phase fünf ist dann schon das Schaffen und Ertragen vom Belohnungsaufschub für eine kurze Zeit. Also Geduld. In dieser letzten Phase konnten die Kinder den Marshmallow ansehen und sich darauf freuen, ohne der Ungeduld nachzugeben.

Die letzte Phase verläuft dann natürlich wieder stufenweise. Während es am Anfang grade so klappt und viel Mühe kostet, wird es immer leichter und irgendwann ist es wirklich nicht mehr frustrierend und kostet weniger Geduld zu warten.
Ja, das ist das Ziel und das funktioniert! Ein geduldiger Mensch tut nicht nur so, oder reißt sich die ganze zeit zusammen, er fühlt die Ungeduld nicht mehr.
Aaaah und oooh! Was für ein herrliches Ziel, oder?
Beim Lernen von Geduld geht es nämlich gar nicht darum, dass Du Dich besser quälen kannst, sondern, dass Du weniger Ungeduld fühlst und das erklärt jetzt auch, weshalb es langfristig lohnenswert ist, sich mit Übungen zu ärgern, denn die sorgen dafür, dass Du Dich irgendwann nicht mehr ärgerst.

Wenn Du nun also Deine Geduld schulen möchtest, dann schau doch mal, wann Du Dich in welcher Phase befindest.
Da wo es so mittelmäßig klappt wird es am spannendsten.
Verleugnest und nickst Du Dich durchs Geduldsleben und vermeidest eigentlich nur, Dich mit dem Frust auseinanderzusetzen, oder bringst Du es zu echter Geduld, indem Du weiter gehst?
Beim Hundetraining bleiben die meisten Besitzer irgendwo zwischen „Tricksen“ und „Können“ stehen, weil sie dann nicht weitermachen. Immerhin klappt es ja gelegentlich und der Hund hat eine Einsicht. Bis zum letzten Schritt wird dann oft nicht gegangen.
Auch die Phase der Ablenkung verwirrt viele Menschen, weil sie denken, es würde sich um gestresstes „Meiden“ halten, wenn der Hund wegschaut, oder der Situation, die ihn frustriert versucht auszuweichen. Dabei befindet er sich einfach in Phase vier des Lernens und wird dann mißverstanden und das weitere Training abgebrochen und damit wieder zurück zu Phase drei gehüpft.
Wenn Du Dich im Blick hast vermeidest Du diesen Fehler bei Dir und Deinem Lernen.

Hier also ein paar Fragen:

  • Finde Situationen, in denen Du trickst um dem Frust zu entgehen. Weglaufen, Abbrechen und anderen die Verantwortung zuschieben ist so ein Punkt. Nicht Du bist ungeduldig, die Anderen sind blöd und langsam 😉
  • In welchen Situationen lenkst Du Dich ab und womit? Im Wartezimmer beim Arzt ohne Handy? Liest Du lieber die schrecklichen Zeitschriften, bevor Du Dich langweilst? Was passiert, wenn Du Dich nicht mit Gegenständen ablenken kannst? Probiere doch mal Dein Handy zu Hause zu lassen, wenn Du an dem Tag immer mal zwischendurch warten musst.
  • Kannst Du Zeit, in der Du Dich langweilst sinnvoll für dein Wohlbefinden nutzen, ohne etwas an Hilfsmitteln zu Hand zu haben? Ohne Fernseher, Handy, Gespräche, Arbeit usw.? Wenn ja, was machst Du dann? Wenn Nein, was könntest Du tun?
  • Was passiert mit Dir, wenn Du ungeduldig bist, welche Gefühle dominieren Dich dann? Wut, Verzweiflung, Angst? Was genau ist es?
  • Wie reagierst Du dann, was ist Dein Muster, wenn Du ungeduldig wirst? Und besonders spannend: Wie findest Du es, wenn jemand anders dieses Muster hat und das tut, was Du tust, wenn Du ungeduldig wirst?
  • Wie fühlst Du Dich wenn Du geduldig warst, oder Andere Dich für Deine Geduld loben?
  • Was ist so schön daran geduldig zu sein und wie kann es Dir bei Deiner Arbeit helfen?
  • Was für eine Hundetrainer*in wärst Du, wenn Du immer geduldig und nachsichtig mit Deinen Kunden umgehen könntest?

 

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