Die Macht der Vergebung

-Von Maren Grote-

In Ruanda leben die beiden Volksstämme Tutsi und Hutu. Eine komplizierte und brutale Geschichte aus Macht, Politik und Hass führte zu Kämpfen und Morden. Die Morde wiederum führten zu Rachetaten und gegenseitigem Zerstören. Der Wunsch nach Rache gipfelte mit der Auslöschung von 75% der dem Tutsi Stamm zugehörigen Menschen und einem brutalen Massaker in dem unfassbar viele Menschen ihren Tod fanden.
Wie sollte man diese Entwicklung stoppen?
Heute sieht die Situation anders aus und trotz des Mordens ist ein Zusammenleben möglich.
Wie ist das Geschehen?
Hilfsprojekte kümmerten und kümmern sich heute noch um genau eine Sache:
Verzeihung durch Mediation.
Nicht Waffen, nicht Strafen und nicht Gefängnisse sorgten für Frieden zwischen den beiden Volksstämmen. Vergebung tat es.

In einer Ausgabe des Greenpeace Magazins gab es einen Artikel über ein Projekt zum Frieden durch Verzeihen. Es durften sich jeweils zwei Menschen, die sich im Täter-Opfer-Ausgleich trafen als Sinnbild für den Neuanfang zusammen fotografieren lassen.
Aus diesen Fotos bestand das künstlerische Projekt zum Thema „Vergebung“. Die Bilder zu sehen und den Text dazu zu lesen fand ich ergreifend und überwältigend.
Auf den ausdruckstarken Bildern stehen zwei Menschen nebeneinander, halten sich an der Hand und schauen direkt in die Kamera. Was sie beide erlebt haben ist für mich kaum vorstellbar. Diese Menschen haben den Mut aufgebracht zu vergeben und sich zu stellen. Mich hat das tief berührt und zum Nachdenken gebracht an meinen eigenen Fähigkeiten der Vergebung zu feilen.Natürlich gibt es in Ruanda noch genug zu tun, das steht außer Frage.
Aber ich habe schon überlegt, wie ich mit dem Verzeihen von Kleinigkeiten umgehen möchte, nachdem ich gelesen habe, wie es Menschen geschafft haben den Mördern ihrer Familien zu vergeben um Frieden einkehren zu lassen.
Für mich persönlich ist das ein Anreiz auch selbst an mir zu arbeiten. Als ein Geschenk an mich.
Jedem von uns ist sowas schon mal passiert. Da hat Jemand etwas getan, was uns zu tiefst verletzt hat, uns abgewiesen, unser Leben durcheinander gerüttelt und vielleicht sogar unseren Glauben erschüttert. Vieleicht hat er es nicht mal gemerkt, oder es war ihm egal. Vielleicht sieht er sich völlig im Recht und denkt, dass er seine Gründe hatte.
Wahrscheinlich haben wir es auch selbst schon getan. Einen anderen Menschen zutiefst verletzt, abgewiesen, sein Leben durcheinander gerüttelt oder sogar seinen Glauben erschüttert… Vieleicht haben wir es nicht einmal gemerkt. Vielleicht ist es uns egal, oder wir sehen uns völlig im Recht und haben unsere Gründe.
Was tun mit dieser Verletzung? Wenn niemand um Verzeihung bittet?
Den Gedanken an Vergeltung mit uns herum tragen wie ein Fläschchen Säure? Hier und da etwas auf unsere neuen Erfahrungen schütten? Immer ein Bisschen, zischend und ätzend, dabei, um sich damit die eigene Haut zu verbrennen und sich zur passenden Gelegenheit ein Schlückchen der brennenden Erinnerungen zu genehmigen?
Die Frage ist doch, wer leidet mehr unter dem herumgetragenen Gift?
Verzeihe ich für den Anderen?
Verzeihen heißt nicht gutheißen oder legitimieren. Verzeihen heißt nicht das Unrecht zu Recht zu machen, oder den Schmerz zu schmälern.
Verzeihen heißt heilen.
Und zwar mich selbst.
Verzeihen ist nicht für den Anderen, verzeihen ist für mich und meine Ruhe, mein Glück und meinen eigenen Glauben an die Welt und das Gute.
Ich verzeihe Dir, als Geschenk für mich selbst.
Klingt einfach. Und logisch. Sieht in der Realität gerne anders aus.
Es wird uns ja auch von Kindheit an gezeigt, dass Buße und Rache die einzig legitimen Reaktionen auf Verletzung und Unrecht sind. „Wer hat angefangen?“ scheint schon im Kindergarten die wichtigste Frage, obwohl das rein gar nichts ändert. Doch der Gedanke an Strafe ist tief in uns verwurzelt.
Also stecken wir unsere Straftäter und Menschen mit schlechten Ideen und schlimmen Geschichten in Gefängnisse zusammen mit noch gefährlicheren Menschen und noch schlechteren Ideen und geben ihnen neue Kontakte für noch mehr schlimme Erfahrungen, schlechter Laune, Gewalt, Hass, Abwehr, Drogen.
Niemand kommt als besserer Mensch aus dem Knast. Erwiesen ist das schon lange.
Angst vor Strafe hält auch nicht nachhaltig davon ab Böses zu tun.
Verständnis schon.
Die Länder mit den höchsten Strafmaßen und sogar der Todesstrafe haben keinesfalls geringere Kriminalitätsraten. Im Gegenteil.
Das Aufrüsten auf beiden Seiten verroht und lässt sich alle nur noch mehr im Recht fühlen.
Eine Einsicht über die angetanen Verletzungen kann man über Rache nicht bekommen.
Empathie, Verzeihen und erfahren, wie Andere einem selbst vergeben lernt man so nicht.
Den Geschädigten hilft die Vorstellung der Rache meist auch nur kurzfristig und ihren Schmerz ändert es gar nicht.
Im Gegensatz zu unserem Strafsystem stehen die Statistiken, die für langfristige Besserung sprechen, wenn es zum Täter-Opfer-Ausgleich kommt.
Klärende Gespräche und Zusammenführung, Verständnis für beide Seiten, Prävention für die Zukunft.
Von einem Mediator geleitet und darauf ausgelegt, dass die Tat in Zukunft aus eigener Einsicht nicht mehr zu Stande kommt und das Opfer seine Opferrolle verlassen und loslassen kann.
Verzeihen ist das Ziel und sorgt nachweislich für mehr Zufriedenheit und Prävention als Strafe.
Auf beiden Seiten.
Im Kleinen ist das ähnlich.
Buße und Rache entlädt zwar den Zorn, der Schmerz aber bleibt.
Da hilft nur Heilung und die kann ich mir selbst geben, indem ich los lasse von der Anklage und der Wut, von Rache und der Idee von Wiedergutmachung durch die Schmerzen des Anderen.
Ich weiß, ein großes Ziel und ein weiter Weg dorthin. Und ich kann ganz sicher sagen, dass ich mich selbst nur auf dem Weg sehe und selbst noch große Ziele in dieser Richtung habe.
Aber um mal zu testen, wie es sich anfühlen kann, hilft Ausprobieren im Kleinen. Ein kleiner Streit, eine Person die sich blöd verhalten hat.
Einfach mal das berühmte „Gut sein lassen“ bewusst zu testen mit einem Vergeben. Ja, es war blöd und die Verletzung ist real.
Und trotzdem kann ich es gehen lassen und vergeben, dass es passiert ist, es als eine der vielen Erfahrungen verbuchen, die mich weiter gebracht haben, die mich gelehrt und geschult haben.
Nicht einfach Gras über die Sache wachsen zu lassen, sondern bewusst und gezielt los lassen.
Aus meiner Erfahrung verbinden wir Verzeihen sofort mit Verpflichtungen.
Ein Freund dem wir Verzeihen müssen wir danach nicht wieder unsere Freundschaft schenken.
Wir lassen nur die Feindschaft gehen.
Oder wir denken, dass Verzeihen beinhalten würde, dass wir Verletzungen hinnehmen, oder sogar belohnen würden, dass wir geradezu dazu auffordern dasselbe nochmal zu tun.
Dabei hat Vergebung nur am Rande mit Demjenigen zu tun, dem vergeben wird.
Er muss es nicht einmal wissen oder auch nur anwesend oder am Leben sein.

Hoch die Hände!


von Lisa Pinsdorf

“Brust raus Bauch rein!” hat meine Mutter meine gesamte Pubertät über, ungefähr stündlich, zu mir gesagt. Zumindest findet das meine bestimmt getrübte Erinnerung.
Himmel fand ich den Spruch scheiße! Wenn ich mir Fotos von mir aus der Zeit anschaue, hätte ich allerdings besser mal auf sie hören sollen, dann hätte ich mich vielleicht besser gefühlt.
Heutzutage ertappe ich mich regelmäßig bei dem Bedürfnis meinen Mitmenschen etwas ähnliches zuzurufen. Wenn wir uns schlecht fühlen oder manchmal auch nur an etwas unangenehmes denken, verändern wir automatisch unsere Körperhaltung. Der Kopf hängt runter, die Schultern spannen sich an, Bauch und Unterleib krampfen sich zusammen. Der Körper sagt: ” Schlechte Stimmung? Alles klar ich bin dabei!”
Und jetzt kommt der coole Trick: Andersrum klappt’s auch! Wenn wir zuerst unserem Köper erzählen, dass wir uns gut fühlen, also Kopf hoch, Schultern nach unten, tief einatmen und vielleicht noch die Arme heben und einmal laut ” Hach schöön!” seufzen, dann denkt das Gehirn:” Aaaaaah Glücksgefühl!! So hat sie doch neulich am Meer auch gemacht… zack kenn ich: ich schmeiß ne Runde Endorphine!”
Das ändert dann zwar auch nix an meiner überfälligen Steuererklärung aber zumindest fühle ich mich besser und sehe nicht mehr ganz so schwarz. Probierts aus heute: Brust raus, Bauch rein und Arme hoch und für ganz Wilde auch noch ne Runde hüpfen 😃
Ein wunderbares Wochendende,
Eure wilden Hüpfer von KöterCoach

Die fünf wichtigsten Menschen in Deinem Leben


Mit wem (oder was) umgibst Du Dich?

-Ein Artikel zum glücklicher werden von Maren Grote-

Kennst Du diese Frage nach den fünf wichtigsten Menschen in Deinem Umfeld?
Für viele ein alter Hut, aber ich finde es sehr spannend das mal zu scannen.
Die Frage lautet: Wer sind die fünf wichtigsten Personen in Deinem Leben?
Also jetzt aktuell?
Je nachdem wer das ist, wird Dein Leben beeinflusst und Du, Dein Denken und Deine Themen in verschiedenen Richtungen gelenkt.Es ist ein bißchen komplexer, also nimm Dir ruhig einen Zettel und einen Stift.
Es geht um Einflüsse, Dinge die Dich ausmachen.
So nach dem Motto: „Du bist was Du isst“, nur eben mitMenschen.
Dabei ist es wichtig, dass nicht nur körperlich anwesende Menschen gemeint sind.
Hast Du einen Lieblingsautor, dessen Werke Du nahezu täglich verschlingst?
Dann gehört dieser Mensch und seine Gedanken, oder die Themen seiner Bücher zu Deinen fünf Personen.
Ebenso wie eine Serie, die Du jeden Abend schaust, ein Heiliger, den Du verehrst, oder ein Mitarbeiter, über den Du Dich ständig aufregst.
Die verstorbenen Eltern, an die man oft denkt, ein Lehrer, Chef, Geliebter, Kind oder verhasster Expartner.
Es geht nämlich nicht nur um Kontakte, die Du gerne pflegst, sondern auch um ungeliebte Menschen, die Dich nerven.
Du verstehst das Prinzip?
Für uns Hundetrainer sage ich dazu, dass auch ein eng betreuter Kunde, oder die Hunde selbst diesen Kreis betreten können.
Manchmal sind es auch nur drei Personen, manchmal sieben.
Es gibt aber einen Wirkungskreis, den man ungefähr auf diese Zahl festlegen kann.
Wenn Du Interesse hast Dich selbst kennen zu lernen, nimm Deinen Zettel und schreibe diese Personen auf.
Wer ist jetzt grade aktuell ständig in Deinem Umfeld, in deinen Gedanken und in Deinem Leben present?
Wenn Du die Richtigen aufgeschrieben hast, nimm sie Dir einzelnd vor und schreibe jeweils auf einem Blatt ihren Namen und dahinter ihre Eigenschaften.
Was macht diese Menschen besonders aus?
Welche Eigenarten und Fähigkeiten faszinieren Dich, ärgern Dich, welche Themen werden mit ihnen und durch sie auf Deinen Tisch gebracht?
Wenn Du sie alle beschreiben hast, hast Du eine Liste von Themen und Energien, von typischen Umgangsweisen oder Verhaltensweisen.
Und genau da geht’s los.
Du wirst Dinge finden, die sehr ähnlich sind, andere werden sich widersprechen.
Vielleicht ist einer der Menschen ein wilder Partyhüpfer, der überall mit mischt, laut und beliebt ist und das leben aus vollen Zügen bejaht.
Eventuell ist ein Anderer still und leise, ein bißchen melanchonisch, schwermütig und beschäftigt sich viel mit Ängsten und seinem möglichen Versagen im Leben?
Findest Du personenübergreifend viele Dinge, die Du als negativ bewertest?
Dinge, die Du auf keinen Fall an Dir haben möchtest und die sich immer wieder bei Deinen Einflußpersonen wiederholen?
Dann ist es Zeit einmal zu schauen, wie hoch dieser Anteil ist und ob es sich die Balance hält.

Nach der Theorie wird es Dich maßgeblich beeinflussen, wenn der Hauptteil Deiner Einflusspersonen ein ähnliches Dauerproblem oder negative Themen mit sich herum tragen.
Man könnte sagen: Es färbt auf Dich ab.
Du kannst prüfen, ob Du diesen Einfluss möchtest.
Aus dem Leben kennst Du das bestimmt.
Bist Du grade Mutter geworden und umgibst Dich plötzlich nur noch mit Müttern?
Du redest nur noch über Pflege und Entwicklung Deines Kindes, wenn der Fokus auf Dich fällt, dann am ehesten auf körperliche Ereignisse, oder Freude über das kleine Wesen auf deinem Arm.
Andere Dinge rücken in den Hintergrund, plötzlich werden Sachen unwichtig, die früher wichtig waren und Themen verschwinden aus Deinem Leben, je weniger Du mit ihnen in Kontakt kommst.
Genauso, wie eine neue Clique oder Einzelperson Dich plötzlich wieder ins Partyleben, auf den Crosstrainer, oder zur Arbeit an deiner Beziehung zurück holen kann, wenn sich Dein Fokus wieder etwas vom Kind löst.
Warum ist es im Altersheim oft so trostlos?
Weil es nur um Krankheiten geht, wem was weh tut, wer gestorben ist und was früher besser war.
Natürlich ist das zermürbend.
Ergotherapeuten und Pfleger versuchen alles, um fröhliche Themen, Erfolg, Gesundheit und Leben hinein zu bekommen. Je schlechter sie bezahlt und besetzt werden, desto tiefer sinkt die Laune aller alten Menschen dort, die sich gegenseitig mit ihren Kontakten herunter ziehen.

Dein Umfeld hat also einen großen Einfluss auf Deine Gesamtenergie.
Ein besseres Wort fällt mir dafür nicht ein.

Jeder kann für sich schauen, wie sehr er beeinflusst wird und in welche Richtung und jeder kann schauen, ob er dabei bleiben möchte.
Auch die Entscheidung zum Beispiel ausschließlich mit extrem bissgen Hunden zu arbeiten oder zusammen zu leben, sollte man sich gut überlegen und schauen, welche anderen Kontakte das Thema „Aggression“ im eigenen Leben wieder aufweichen können.

Welchen Einfluss kannst Du gebrauchen um einen Anderen zu neutralisieren?

Das Schöne daran ist, das diese Theorie jeden so lässt wie er ist.
Niemand Deiner Hauptkontakte muss sich ändern!
Du suchst nach einem Ausgleich.
Hast Du also einen Job, indem es viel um Krankheit und Tod geht, dann ist ein guter Ausgleich sich in seiner Freizeit mit Gesundheit, Fitness, Lebensfreude und Menschen und Energien zu umgeben, die vor Leben nur so strotzen.
So bleibt der anstrengende Job trotzdem bewältigbar.
Pflegt man nebenbei seine beiden todkranken Eltern zu Hause, hat nur Freunde, die grade in einer Krebsbehandlung stecken und schaut dann abends zum Ausgleich acht Folgen Emergency Room, dann kann einen die Energie von „Krankheit und Tod“ schnell überollen und unglücklich machen.
Manchmal muss man einen Menschen aus seinem Leben entlassen, der zu viel einer bestimmten Energie mit einbringt, meistens reicht es, einfach an einer anderen Stelle einen Ausgleich zu suchen.
Mit einem Plan und einer aktiven Veränderung kann das subjektive Glücksempfinden wirklich gesteigert werden.
Ein bißchen technisch vielleicht, aber durchaus wirkungsvoll und ein schöner, erster Schritt, wenn grade irgendwie alles blöd ist.

Wer sich traut, der probiert es einfach mal aus.

 

Warum wir Plastik sammeln.

Was hat Plastik sammeln mit Hundetrainern zu tun, magst Du Dich vielleicht fragen und warum posten wir Bilder davon?
Nunja, Hundetrainer sind ja mal in allererster Linie Menschen, nicht wahr? Und Menschen haben die wunderbare Fähigkeit sich selbst zu reflektieren und vor Allem aus eigenem Antrieb zu verändern und jeden Tag neu zu erfinden. Lies den Satz nochmal, er macht immens glücklich 😊
Glücklich macht auch, jeden Tag etwas Gutes zu tun. Das geht los mit dem Lächeln beim Bäcker am Morgen und endet vielleicht bei dem lange geplanten und doch immer wieder vergessenen Anruf bei Deiner Oma. Für beide kann das nämlich über den weiteren Verlauf ihres Tages entscheiden.
Für den Vogel, der an dem Stück Plastik erstickt oder sich an der Zigarettenkippe vergiftet auch.
In diesem Fall gilt nicht ” Ganz oder Gar nicht!” Sondern Hauptsache irgendwas 😎
Wie wollen die Welt verändern, also fangen wir mal einfach an.

Glaub nicht was Du denkst!


Warum es sich lohnt regelmäßig einen Realitätscheck zu machen.

Von Lisa Pinsdorf

Vor einiger Zeit ist auf einem meiner Workshops etwas ganz spannendes passiert, an dem ich Euch gerne teilhaben lassen möchte.
Beim Workshop „Wieisserdennso?“ geht es um Persönlichkeitseinschätzung. Es gibt ein paar Aufgaben und kleine Tests und wir beobachten, wie die Hunde sich in den verschiedenen Situationen verhalten. Am Ende besprechen wir dann, was das gezeigte Verhalten für Hinweise auf die verschiedenen Hundepersönlichkeiten gibt und was eventuell wichtig sein könnte zu beachten, wenn es um Training und die Beziehung zwischen Hund und Halter geht.

Das Besondere an diesem Workshop ist, dass die Hunde jeweils von einem der anderen Teilnehmer beobachtet und eingeschätzt werden, also von einer Person, die weder den Hund noch den Besitzer irgendwann schon einmal gesehen hat.
Und dabei ist nun am letzten Wochenende, aber auch schon bei einigen der vorigen Workshops folgendes passiert:
Es gibt am Ende eine Abschlussrunde, bei der wir über jeden der Hunde ausführlich sprechen. Der oder die Beobachterin darf hierbei zuerst erzählen, was sie gesehen hat und wie sie den Hund und auch die Beziehung zwischen Hund und Mensch einschätzt.
Die Beobachterin beginnt zu erzählen und das Bild, was sie vom Hund und von der Beziehung malt, ist ein völlig anderes als das Bild des Besitzers. Beim letzten Mal war der Hund laut der Beschreibung der Beobachterin auffällig entspannt in allen Situationen und ganz besonders orientiert an der Besitzerin. In diesem Falle kannte ich Hund und Mensch und wusste, dass einige anstrengende Jahre hinter den beiden lagen, in denen man hätte sagen können, dass diese Hündin das Wort Entspannung ganz sicher für ein Fremdwort hielt und dass ihre Besitzerin für sie auch in den allermeisten Situationen nur lästig hinten an der Leine hing.
Ich blickte also in die ungläubigen Augen der Halterin, die gerade eine Beschreibung über ihren Hund und sich hörte, die sie sicher so nicht erwartet hatte und sah, wie sich auf ihrem Gesicht immer mehr ein Lächeln ausbreitete und ich war so gerührt davon, wie bewegend es ist, wenn man das erste Mal mit einer neuen Realität konfrontiert wird.
Denn das ist es – es ist die Realität!
Vielleicht ist es erstmal nur ein kleiner neuer Teil und auch durch andere Augen gesehen, aber es ist eine wunderbare Möglichkeit für die Besitzerin dieser Hündin, diese Realität mitzunehmen und zu ihrer eigenen neuen Realität zu machen.
Leider speichert unser Unterbewusstsein unangenehme Gefühle und Gedanken sehr viel besser ab als schöne Erlebnisse und schöne Gedanken und wenn wir mit einem Hund zusammen leben, der uns häufig an unsere Grenzen bringt, dann kann dieser Batzen an unangenehmen Gedanken und Erwartungen ganz schön groß werden. Wir blicken den Hund an und denken daran, wie er gestern wieder die ganze Straße zusammengeschrien hat, als er die Nachbarskatze erspäht hat. Wir nehmen die Leine in die Hand und unser Körper erinnert sich automatisch daran, wie schmerzhaft es war, als sie uns beim letzten Mal durch die Hand gerutscht ist, oder als wir fast umgerissen wurden, weil unser Hund den Nachbarshund beschimpfen musste, der plötzlich hinter der Ecke auftauchte.
Diese Gedanken und Gefühle sind wie eine dunkle Wolke, die auf jedem Spaziergang über uns schwebt und wenn es dann wieder passiert, dann keift diese Stimme im Kopf: „ Siehst Du! Wusste ich doch!“
Und auch wenn es in Wirklichkeit schon viel besser ist und sich ganz, ganz viel verändert hat und wir schon 30 Mal an lockerer Leine an Hund und Katze vorbeigelaufen sind, dann zetert die Stimme immer noch herum und erzählt uns, dass wir uns bloß nicht in Sicherheit wiegen sollen.

Also: Macht ab und zu einen Realitätscheck und helft Eurem Gehirn dabei, neue und angenehme Gedanken zu speichern. Eine tolle Übung dazu ist, sich regelmäßig aufzuschreiben, was gut geklappt hat und sich das vor jedem Spaziergang oder bei anderen Gelegenheiten durchzulesen.
Eure Gefühle folgen Euren Gedanken. Also glaubt nicht alles was Ihr denkt und überprüft mal ab und zu, ob es nicht Zeit ist fröhlich in eine neue und schönere Realität zu hüpfen, ich bin sicher Euer Hund wird bereitwillig mitkommen

Das Foto von der nachdenklichen Zoe ist von unverstellt fotografie

Wie redest Du denn mit Dir?

Wie redest du denn mit Dir?

Stell Dir vor Du machst Urlaub mit Deiner besten Freundin. Ihr teilt euch ein Doppelzimmer in einem schönen Hotel. Alles ist toll, das Wetter ist gut, die Natur sehenswert, das Essen, alles wunderbar. Nur die Freundin…die läuft irgendwie nicht ganz rund, also eigentlich nervt sie sogar ganz schön. Morgens nach dem Aufstehen geht es schon los. Du schlägst grade die Augen auf und das Erste, was Du hörst ist: „ Oh Mann, hättest du nicht ein bisschen weniger Wein trinken können, siehst Du, jetzt hast Du Kopfschmerzen – Das ist so typisch!“
Beim Anziehen vor dem Spiegel stellt sie sich neben dich und guckt einmal abfällig an Dir herunter: „Tja, Du hättest halt auch mal früher anfangen können mit Sport machen, ne? Jetzt wird das dieses Jahr wieder nix mit der Bikini Figur!“
Beim Frühstück stösst Du deine Kaffetasse um und sofort meckert sie los: „ Meine Güte, wie kann man nur so ungeschickt sein, Du bist ja wirklich zu blöd für alles!“
Leider hast du vergessen, Dich rechtzeitig für einen Tagesauflug anzumelden und schon bekommst du Vorwürfe: „ Na toll, jetzt hast Du das auch noch verbockt, alle Anderen haben das doch auch geschafft, Du warst ja immer schon so vergesslich und das wird auch immer so bleiben, Du hast halt einfach nicht genug Grips!“
Unmöglich? Würdest du dir nie gefallen lassen? So redet doch keine Freundin? Stimmt!
SO redet wirklich keine Freundin mit Dir, aber so oder so ähnlich redest DU mit Dir. Und zwar rund um die Uhr und jeden Tag. Auf Deine Stimmung wirkt das leider trotzdem oder gerade besonders. Und es ist auch nicht nur ein kurzer Urlaub, sondern Du bleibst ja da. Bei Dir. Nörgelnd.
Du bist Dir selbst die Nächste. Und Du setzt die Maßstäbe dafür, wie mit Dir umgegegangen werden darf. Das kannst Du übrigens jeden Tag neu beschließen. Fang heute an. Sei mal einen Tag lang freundlich zu Dir. Sag Dir mal was nettes, sei Dir mal eine gute Freundin. Und dann noch einen Tag und noch einen und dann hast Du auf einmal eine freundliche Stimme an Deiner Seite, warm, unterstützend,aufmunternd, hilfreich…wär toll, oder?
Das geht ganz leicht, probier´s mal aus